Geschichtschreibung und Geschichtsklitterung


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Verlässlichkeit der Geschichtsschreibung

Eine Geschichte muss wie ein Mosaik aus verschiedenen Steinchen, den Belegen aus einer früheren Zeit, rekonstruiert werden. Dazu Seiffert: "Auch in der Geschichtswissenschaft gilt das Gebot, dass Forschungsergebnisse intersubjektiv überprüfbar sein müssen. [...] Denn das Prinzip der Intersubjektivität verlangt ja, dass der Benutzer sich auf die Quellenedition verlassen können muss. Er muss mit der Edition in gewisser Hinsicht so arbeiten können wie mit dem Original, das irgendwo in einer Bibliothek, einem Archiv oder einem Privathaushalt liegt."
Seiffert, H. (1983). Einführung in die Wissenschaftstheorie. Bd. 2. München: Beck, S. 79f.

Geschichtsklitterung

Das Wort "Geschichtsklitterung" stammt aus einem Buch der Renaissance (1575) von Johann Fischart. Es heisst eigentlich "dahin gekleckerte Geschichte" und wurde vom Autor als ein Sprach-Experiment verstanden. Heute benutzt man es für eine falsche Darstellung eines ganzen Mosaiks zu einem Zeit-Thema. Eine geklitterte Erzählung fällt in der Validitätsprüfung durch, sie hält einem kritischen Blick nicht stand.

Validität

Um die Glaubhaftigkeit einer Erzählung abzuschätzen, benützen wir den wissenschaftlichen Begriff der Validität. Er bezeichnet die Belastbarkeit einer sprachlichen Aussage. Ist sie verbindlich und präzise formuliert? Hält sie dem Vergleich mit anderem Beweismaterial stand? Ist sie in sich konsistent? Sind die Informations-Quellen zuverlässig?

Letztlich können der Erkenntniswert und die Validität einer Erzählung nur eruiert werden, wenn man hinter die Kulissen des Autors auf die Quellenlage blicken kann. Dies ist mit einem unverhältnismässigen Aufwand verbunden. Geschichtsschreibung ist auch eine Dunkelkammer. So sind hier in ausgewählten Fällen einige Materialien online gestellt.

Unter der Lupe: die Geschichtsschreibung des Pascal Germann

  • Germann P. (2016). Laboratorien der Vererbung, Göttingen: Wallstein.

  • Germann P. (2015). Mobilisierung des Blutes. Blutspendedienst, Blutgruppenforschung und totale Landesverteidigung in der Schweiz, 1940-1960, Gesnerus, 72(2): 289-313.

  • Germann P. (2015). Bruch oder Konstante? Zum Verhältnis von Humangenetik und Eugenik im 20. Jahrhundert. Therapeutische Umschau, 72(7): 457-462

Hinter die Kulissen blicken und sich ein freies Urteil bilden ...

Die Universität Zürich ist über die Ungereimtheiten informiert und unterstützt - im Sinne der Forschungsfreiheit - die Afklärung des Sachverhalts mit der Einsichtsbewilligung in ihr Archiv (einschliesslich der Materialien, die noch unter die Archivfristen fallen).

Materialien zu bereits überprüften Themen in Germanns Schriften

  • Julius Klaus Stiftung

  • Landesaustellung 1939

  • Genetiker-Kongresse in Edinburgh 1939 und Stockholm 1948

  • UNESCO Resolutionen betreffend den Rassenbegriff

  • Blutspender Information

  • Abgrenzung zur nationalsozialistischen Wissenschaft in der Rede 1941 SGV

  • Bereits überprüfte Porträts in Germanns Schriften

    Noch nicht oder nur teilweise überprüfte Porträts in Germanns Schriften

     © Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Historiografische Validität 2018