Wanderer am Weltenrand (Flammarion 1888)
 

Geschichtsschreibung und Geschichtsklitterung


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Verlässlichkeit der Geschichtsschreibung

Eine Geschichte muss wie ein Mosaik aus verschiedenen Steinchen, den Belegen aus einer früheren Zeit, rekonstruiert werden. Dazu Seiffert: "Auch in der Geschichtswissenschaft gilt das Gebot, dass Forschungsergebnisse intersubjektiv überprüfbar sein müssen. [...] Denn das Prinzip der Intersubjektivität verlangt ja, dass der Benutzer sich auf die Quellenedition verlassen können muss. Er muss mit der Edition in gewisser Hinsicht so arbeiten können wie mit dem Original, das irgendwo in einer Bibliothek, einem Archiv oder einem Privathaushalt liegt."
Seiffert, H. (1983). Einführung in die Wissenschaftstheorie. Bd. 2. München: Beck, S. 79f.

Geschichtsklitterung

Das Wort "Geschichtsklitterung" stammt aus einem Buch der Renaissance (1575) von Johann Fischart. Es heisst eigentlich "dahin gekleckerte Geschichte" und wurde vom Autor als ein Sprach-Experiment verstanden. Heute benutzt man es für eine falsche Darstellung eines ganzen Mosaiks zu einem Zeit-Thema. Eine geklitterte Erzählung fällt in der Validitätsprüfung durch, sie hält einem kritischen Blick nicht stand.

Validität

Um die Glaubhaftigkeit einer Erzählung abzuschätzen, benützen wir den wissenschaftlichen Begriff der Validität. Er bezeichnet die Belastbarkeit einer sprachlichen Aussage. Ist sie verbindlich und präzise formuliert? Hält sie dem Vergleich mit anderem Beweismaterial stand? Ist sie in sich konsistent? Sind die Informations-Quellen zuverlässig?

Letztlich können der Erkenntniswert und die Validität einer Erzählung nur eruiert werden, wenn man hinter die Kulissen des Autors auf die Quellenlage blicken kann. Dies ist mit einem unverhältnismässigen Aufwand verbunden. Geschichtsschreibung ist auch eine Dunkelkammer. So sind hier in ausgewählten Fällen einige Materialien online gestellt.

Mehr zur Validität von Narrativen in der Zeitschrift Kriminalistik 2017

Artikel über den Nachweis von Plagiaten in Medialex 


Unter der Lupe:

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Begleitliteratur zum Thema Life Sciences versus Eugenik

  • Crew F, et al, Social Biology and Population Improvement, Nature 1939; 144(3646): 521-522.
    Geneticists Manifesto 1939 open access herunterladen

  • Ehlers Klaas-Hinrich, Der "Deutsche Gruss" in Briefen. Zur historischen Soziolinguistik und Pragmatik eines verordneten Sprachgebrauchs. Linguistik online 55, 5/2012.
    Open access herunterladen

  • Fangerau Heiner, Der "Baur-Fischer-Lenz" in der Buchkritik 1921-1940: Eine quantifizierende Untersuchung zur zeitgenössischen Rezeption rassenhygienischer Theorien, Medizinhistorisches Journal, 38(1) (2003), 57-81.

  • Grimm Christian, Netzwerke der Forschung. Die historische Eugenikbewegung und die moderne Humangenomik im Vergleich, Berlin: Logos TB 2011.

  • Hossfeld Uwe, Geschichte der biologischen Anthropologie in Deutschland. Von den Anfängen bis in die Nachkriegszeit. 2. Aufl., Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2016

  • Keller Christoph, Der Schädelvermesser, Zürich: Limmat Verlag 1995.

  • Kühl Stefan, Die Internationale der Rassisten: Aufstieg und Niedergang der internationalen Bewegung für Eugenik und Rassenhygiene im 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. Campus 2014.

  • Kevles Daniel, In the Name of Eugenics: Genetics and the Use of Human Heredity. Harvard University Press 1985.
    Open access herunterladen

  • Roll-Hansen Nils, Eugenics and the Science of Genetics. Oxford Handbook of the History of Eugenics (2010): 80-97.
    Online einsehbar

  • Roll-Hansen Nils, The controversy between biometricions and Mendelions: A test case for the sociology of scientific knowledge. Social Science Information 19.3 (1980): 501-517.
    Open access herunterladen

  • Roll-Hansen Nils, The Lysenko effect: undermining the autonomy of science. Endeavour 29.4 (2005): 143-147.
    Open access herunterladen

  • Roll-Hansen Nils, The progress of eugenics: Growth of knowledge and change in ideology. History of Science 26.3 (1988): 295-331. Link

  • Roll-Hansen Nils, Louis Pasteur - A case against reductionist historiography. British Journal for the Philosophy of Science, 23(4) (1972): 347-361.Link

  • Schmuhl Hans-Walter, Grenzüberschreitungen: das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927-1945. Vol. 9. Wallstein Verlag, 2005.

  • UNESCO, The Race Concept 1952. Open access herunterladen

  • Weingart Peter, Kroll Jürgen, Bayertz Kurt, Rasse, Blut und Gene: Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1988.

Literatur zum Thema Methodik der Geschichtswissenschaft

  • Seiffert Helmut, Einführung in die Wissenschaftstheorie. Vol. 1 & 2. München: Verlag Beck 1983.

  • Werkzeugkasten Geschichte der Universität Basel: Anklicken

  • Bendikowski, T., Hoffmann, A., Sawicki, D. (2003). Geschichtslügen. Vom Lügen und Fälschen im Umgang mit der Vergangenheit. Münster: Westfälisches Dampfboot

 © Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Historiografische Validität 2018